13 09 2022

Wie „Quiet Quitting“ Arbeitgeber und HR zur Verzweiflung bringt



Machen viele Arbeitnehmer:innen zukünftig nur noch Dienst nach Vorschrift? Begriffe wie „Big Quit“ oder „The Great Resignation“ werden zurzeit heiß in den Medien diskutiert. Viele Angestellte haben 2021 gekündigt oder wurden entlassen. Das aktive Geschehen (Jobwechsel) wird nun von einem passiven ersetzt, das als „Quiet Quitting“ (stille Kündigung, Dienst nach Vorschrift) bezeichnet wird. 

Was ist Quiet Quitting? 

In Social Media ist gerade "Quiet Quitting" ein Trend-Thema. Der Begriff beschreibt, wie sich Angestellte weigern, sich über Gebühr für ihren Arbeitgeber zu engagieren und stattdessen ihren eigenen Freiraum sichern. Der Begriff wird unterschiedlich definiert. Grundsätzlich bedeutet er: 

  • Beschäftigte kündigen ihren Job nicht, tun auf der Arbeit aber lediglich das Notwendigste – und nicht mehr. 
  • Sie machen pünktlich Feierabend, widmen sich danach nur noch ihrer Familie, ihrer Freizeit oder einer Sache, die nichts mit ihrer Arbeit zu tun hat. 
  • Der Laptop bleibt jetzt auf der Arbeit, E-Mails und Nachrichten von Kollegen und Chefs werden erst zur Arbeitszeit beantwortet; keine Abrufbereitschaft. 

Zudem werden keine „Zusatzaufgaben“ übernommen: Einen kleinen Gefallen für den Chef tun? Das spricht gegen das Prinzip, was man als eine Art leise Protesthaltung sehen könnte. 

Hängt Quiet Quitting mit der „Great Resignation“ zusammen? 

Quiet Quitting steht im Zusammenhang mit dem Phänomen „Great Resignation“: Seit 2021 (Corona Krise) häufen sich Rekorde für Arbeitnehmer:innen, die ihren Job freiwillig aufgeben.  40 % der US-Arbeiter erwägen, ihre Jobs zu kündigen – egal, wohin sie gehen, so Umfragen und Studien von Microsoft und McKinsey in „Fortune“. 

Rund 15 Mio. Arbeitnehmer:innen in Deutschland denken mehrmals pro Woche an einen Jobwechsel, das zeigt eine aktuelle Studie von Stepstone. Rund jeder Zehnte denkt täglich an einen Jobwechsel. Nur für wenige ist ein Jobwechsel derzeit kein Thema.  

Rund zwei Jahre nach Beginn der Pandemie treffen zwei Phänomene aufeinander.

1) Die ohnehin seit Jahren steigende Wechselbereitschaft hat seit Corona weiter Fahrt aufgenommen. Menschen stellen ihren Job kritischer in Frage als je zuvor.  

2) Gleichzeitig erlebt Deutschland ein Jobwunder, bedingt durch Aufholeffekte nach der Krise, aber auch als Vorzeichen der heraufziehenden Arbeiterlosigkeit. 

Wie hat sich Quiet Quitting als Trend-Thema entwickelt? 

In den USA wird viel über "Quiet Quitting" geredet – offenbar fühlen sich viele Arbeitnehmer:innen durch ihren Alltag im Job unglücklich, gestresst und überlastet. Sie mögen ihre Arbeit eigentlich, denken auch nicht daran, ihre Stelle zu kündigen, wollen aber die Anforderungen, die an sie gestellt werden, oft nicht mehr akzeptieren.  

Dazu zählen beispielsweise regelmäßige Überstunden, unregelmäßige Arbeitszeiten oder andere Aufgaben, die eigentlich gar nicht in ihrem Vertrag stehen – und für die sie auch nicht bezahlt werden. 

Wie ist der Begriff populär geworden? 

Populär geworden ist der Begriff durch ein TikTok-Video des Users "zaidleppelin". Über 4.500 Menschen haben das Video bereits kommentiert. Mehrere Millionen Aufrufe unterstreichen die Wichtigkeit, vor allem bei den Millennials und Gen Z. 

Wie sind die Meinungen dazu? 

Viele scheinen Quiet Quitting gut zu finden. „Es ist eine gesunde Work-Life-Balance“ und: „Es heißt, Grenzen setzen“. Andere kritisieren es auch: „Also riskierst du deinen Job, um Stress zu vermeiden. Reiß dich zusammen und mach deine Arbeit.“ 

Weiterhin wird die Haltung der „Generation Y“ kritisiert: „Ihr habt noch nie etwas still gemacht. Deine Generation kann nichts ohne die Aufmerksamkeit des Internets.“ 

Was steckt hinter dem Phänomen Quiet Quitting? 

Man kündigt nicht seinen Job, geht aber nicht mehr die sprichwörtliche "Extrameile" für den Arbeitgeber. "Arbeit ist nicht dein Leben, dein Wert als Mensch definiert sich nicht über deine Produktivität", heißt es in dem Video.  

Auffällig dabei ist, dass es sich meist um junge Menschen handelt, die zumeist zu den Millennials sowie der Gen Z zählen. In Social Media posten sie Videos und Texte, die ihre Einstellung zur Arbeit sowie passende Tipps zeigen. 

Gibt es Quiet Quitting auch in Deutschland? 

Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Gallup zeigt, dass das Engagement von Arbeitnehmern aus den Gruppen der Gen Z und den jüngeren Millennials (1989 und später geboren) mit 31 Prozent auf dem absoluten Tiefststand angekommen ist. 54 Prozent dieser Alterskohorte haben innerlich gekündigt. Es gibt also eine größere Herausforderung als die HR-Klassiker: Recruiting und Mitarbeiterbindung. 

Auch in Deutschland gehört Mehrarbeit zum Alltag: Laut Statistischem Bundesamt haben in Deutschland im vergangenen Jahr durchschnittlich 4,5 Millionen Menschen Überstunden geleistet. Das entspricht einem Anteil von zwölf Prozent der Arbeitnehmer:innen. Knapp 22 Prozent der Überstunden wurden nicht bezahlt, siehe Beitrag „Quiet Quitting im Stern 

Was bedeutet Quiet Quitting für Arbeitgeber? 

Viele Arbeitgeber fürchten sich vor Quiet Quitter, denn es ist ein Risiko für die Produktivität in Unternehmen. Plötzlich ergibt sich eine „Lücke“, die zuvor nicht existent war. Sie zeigt sich in Form der fehlenden Beschäftigten, die länger bleiben, um weitere Aufgaben zu erledigen, die Motivierten, die Multi-Tasking-Talente, die Überstundenschieber. 

Was können Arbeitgeber tun, um das Problem Quiet Quitting zu lösen? 

Für Arbeitgeber ist es ein Weckruf, ihren Beschäftigten das zu geben, was sie benötigen, um ihre volle Arbeitsleistung zu erbringen. Was muss passieren, damit ihre Angestellten wieder motivierter sind und Abstand von der passiven Arbeitshaltung nehmen? Was können sie tun, damit es aufhört? 

Dazu gehören vor allem folgende Punkte: 

  • Mehr Geld: Der Arbeitsmarkt hat sich verändert. Eine Lohnanpassung ist in vielen Branchen deshalb überfällig. Wer als Arbeitgeber nicht riskieren will, dass Beschäftigte das Unternehmen verlassen, setzt deshalb (mindestens) auf eine faire Bezahlung. 
  • Mehr Wertschätzung: Immer mehr Millennials und auch Gen Z fordern Wertschätzung und Anerkennung von ihren Arbeitgebern – für das, was sie täglich leisten, aber auch für vermeintlich „kleine Gefallen“, um die sie gebeten wurden, die Angestellte zwischen ihre Schichten schieben, um das eine oder andere für Vorgesetzte zu erledigen. 
  • Mehr Pausen: Regelmäßige Pausen sollten gefördert und ein selbstverständlicher Teil der Arbeit sein. Es gilt, nicht nur Pausen zu integrieren, sondern auch eine gesunde Pausenkultur zu entwickeln – was bedeutet, eine positive Einstellung gegenüber Themen wie Entspannung, Erholung und Stressreduktion zu signalisieren und vorzuleben.

Fazit: Quiet Quitting kann die Arbeitswelt verbessern

Die gute Nachricht: Der Trend „Quiet Quitting“ zeigt eine aktuelle Tendenz, die zunimmt. Immer mehr Beschäftigte kämpfen um mehr Rechte und zeigen ihre Grenzen auf, die als Selbstverständlichkeiten in der Arbeitswelt gelten. Quiet Quitting ist somit eine Chance, die Arbeitswelt zu verbessern.

Erforderliche Maßnahmen sind: Bezahlte Überstunden, eine faire Entlohnung, ein gesundes Arbeitsklima und eine wertschätzende Pausenkultur. Neben den klassischen HR-Aufgaben Employer Branding, Recruiting und Mitarbeiterbindung, gilt es nun auch für Arbeitgeber und HR-Manager Lösungen für Quit Quitting zu finden.  

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Tags: Employer Branding, Digital Leadership, New Work, Quiet Quitting

Über Dr. Claudia Hilker

Dr. Claudia Hilker

Dr. Claudia Hilker ist Unternehmensberaterin und Inhaberin von "Hilker Consulting". Sie unterstützt viele B2B-Unternehmen zu Wachstumsstrategien mit Digital Marketing. Die Ziele sind zumeist digitale Sichtbarkeit der Marke (Branding) sowie Kunden- und Mitarbeiter-Gewinnung. Ihre Erfolgsstrategie basiert auf dem Einsatz von LinkedIn Marketing, Content Marketing und Social Selling. Sie vermittelt ihr Know-how zudem als Bestseller-Autorin, Speaker und Dozentin in ihrer "Digital-Marketing Akademie" in zahlreichen Online-Kursen.

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