Digitalisierung, Marketing-Strategien mit Online Marketing, Content Marketing, Social Media
14 November 2019

Tricks der Fake-Testportale: So werden Kunden manipuliert



Das Internet bietet als virtueller Geschäftsraum viele Möglichkeiten über Online Marketing Kunden anzusprechen, zu gewinnen und zu binden. Seriöses Content Marketing und Social-Media-Marketing hilft dabei ein starkes Fundament aufzubauen. Doch es gibt immer wieder Portale, die Kunden in die Irre führen wollen, um schnelles Geld zu verdienen. Ein Fall sind Fake-Testportale, die mit erfundenen Testnoten, Produkte anpreisen. Der Beitrag zeigt, wie Sie solche Portale erkennen.

Die Tricks der Fake-Testportale

Empfehlungsmarketing spielt beim Kauf von Produkten eine große Rolle. Bevor wir eine Waschmaschine, ein Auto oder vielleicht sogar einen Toaster kauen, schauen sich viele Produkttests und Bewertungen an. Dafür gibt es viele Portale im Internet, die das Empfehlungsbedürfnis schamlos ausnutzen. Die Masche ist einfach. Das Produkt wird angepriesen und mit einem Link zu Online-Händlern versehen. Wird der Link geklickt und der User kauft tatsächlich bei dem Anbieter, gibt es Provision für das Portal. Bei Amazon sind das zum Beispiel häufig um die 12 Prozent.

Damit der Kauf wahrscheinlicher wird, preisen diese Fake-Portale jedes Produkt an. Dazu mischen sie verschiedene Tests, wie von der Stiftung Warentest und fügen verschiedene positive Bewertungen von Kunden aus anderen Portalen hinzu.

Falsche Tests und starke Lügen

Die Fake-Testportale gehen an einigen Stellen sogar so weit, dass sie über Produkte schreiben, sie seien von der Stiftung Warentest getest worden, sind es aber in Wirklichkeit gar nicht. Hier mischen sich also häufig seriöse mit unseriösen Tests. Das kann dazu führen, dass zum Beispiel Produkte mit "gut" bewertet werden, die in Wahrheit von der Stiftung Warentest ein "mangelhaft" bekommen haben, wegen schwerer Sicherheitsmangel.

Deepfakes: Fake-Videos mit Alptraum-Charakter

Ein ähnlicher Betrug, der in bestimmten Fällen zum Alptraum werden kann, sind manipulierte Videos. In diesem Video von der New York Times, erklärt Sängerin Adele, die Fake-Technologie. Aber ist es wirklich die echte Adele? Im Video verwandelt sie sich plötzlich in eine andere unbekannte Frau.

 

Deepfakes ist eine tiefe Rechenleistung von Programmen, die Stimmaterial und künstliche neuronale Netze verarbeiten. Das Programm lernt aus diesen großen Datenmengen und kann so Vorgaukeln, dass eine bestimmte Person etwas bestimmtes sagt. Dazu werden, sehr vereinfacht erklärt, aus zwei oder mehren Videos das Quellmaterial zusammengeschoben.

Hier ist die Grenze schwer zu ziehen: Im Fall von Satire oder Comedy ist diese Technologie sehr interessant und durchaus witzig. Sie wird aber dann zum Alptraum, wenn wir uns vorstellen, dass passiert Politikern und Stars in einem bestimmten politischen oder gesellschaftlichen Kontext. Darüber lassen sich leicht viele Menschen manipulieren, ganz geschweige von einer Kauf-Manipulation mal abgesehen.

Bewertungen in Fake-Testportalen ohne Grundlage

Egal, ob Fake-Videos, wo Forensiker mit starken Technologien die Echtheit der Videos prüfen, oder falsche Testportale für Produkte, es ist wichtig, zu wissen, dass oftmals nicht viel dahinter steckt. Ein wesentlicher Hinweis auf Fake-Tests ist die fehlende Grundlage der Bewertungen. Die Sätze sind oft leere Phrasen. Ein Beispiel ist die Testseite "tests-staubsauger.de". Auf den ersten Blick wirkt sie professionel mit Ratgeber, Tabellen, Sternebewertung und Angaben zur Stiftung Warentest. Die Beschreibungen sind aber oft nichtssagend, wie "der Staubsauger kann Laminat besser reinigen als Teppich". Schaut man sich die Beschreibungen genauer an, ist es häufig eine Zusammenstellung aus den Bewertungen von Kunden bei Amazon, Otto oder Media Markt.

Fake-Testportale für Staubsauger

Quelle: Startseite tests-staubsauger.de

Da die Optik der Portale und die Zusammenstellung der Texte oft aber so geschickt gestaltet wird, findet Google diese Seiten sehr gelungen und rankt sie entsprechend hoch. Der Algorhythmus kann nur schwer hinter die Facade gucken. Die Seiten werden dementsprechend hoch oben ausgespielt und mehr User fallen drauf rein.

6 Tipps wie Sie Fake-Testportale erkennen

Folgende Anzeichen sind verdächtig, laut Stiftung Warentest:

  1. Tests fallen nur positiv aus: Alle Testnoten sind gut oder mit "Testsieger" gekennzeichnet. Alle Beschreibungen klingen durchweg gut. Die User sollen ja zum Kauf verleitet werden.
  2. Keine Testkriterien zu finden: Der Produkttest an sich wird nicht beschrieben. Es gibt auch oft keine Bilder vom Produkt im Test. Das liegt daran, dass diese Portale die Tests ja gar nicht durchführen.
  3. Reines Linknetz: Den Link zum Anbieter obliegt eine prominente Rolle im Text. Er ist gut sichtbar platziert, vielleicht auch an mehreren Stellen. Als Button ist der Link auch oft aufdringlich gestaltet.
  4. Keine bekannte Marke hinter Portal: Die Fake-Testportale sind oft Websites mit einem speziellen Namen, auf das gesuchte Produkt zugeschnitten. Zum Beispiel gibt es babytragen-test.org, schwimmbrillen-test.org oder wischsauger.org. Das Wort "Test" in der URL soll dann für das gewisse Vertrauen sorgen, dass zum Kauf verleitet.
  5. Grauzone "Testsieger": Die Portale verwenden das Wort "Testsieger", was aber eigentlich nur verwendet werden darf, wenn der Test auch wirklich durchgeführt wurde. Manche Portale greifen deshalb auch auf "Vergleichssieger" zurück, um rechtlich keine großen Probleme zu bekommen.
  6. Impressum mit deutscher Anschrift: Hat das Portal eine deutsche Anschrift? Das ist oft nicht der Fall bei den Fake-Seiten und kann ein direkter Hinweis auf ein Fake-Portal sein.

Was machen echte, ehrliche Produkttests aus?

Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass echte Tests teuer sind. Sie werden von Experten in Laboren durchgeführt und sind deshalb oft in vollem Umfang nur gegen eine Gebühr zu erhalten. Dazu werden die Kriterien normalerweise offen gelegt, damit erkennbar wird, wie getestet wurde. Für schlechte befundene Produkte werden auf vielen seriösen Testportalen auch nicht mit Kauf-Link versehen. Wenn ein Link überhaupt gesetzt wird, dann sind dafür andere Abteilungen zuständig, nicht die Tester.

Fazit: Das Internet ist ein digitaler Raum, der schwer kontrollierbar ist. Es ist viel Schein als Sein. Für ernsthafte und aufrichtige Marketeers ist es deshalb nicht leicht, der Versuchung zu widerstehen. Die Folgen können aber schwerwiegend sein. Ich habe bereits darüber geschrieben, wie sich gekaufte Likes und Follower negativ auf den Erfolg in Social Media auswirken können.

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Tags: online marketing, Fake-Profile, Fake, Testportale, empfehlungsmarketing, empfehlung, tricks

Über Prof. Dr. Claudia Hilker

Prof. Dr. Claudia Hilker

Prof. Dr. Claudia Hilker lehrt Marketing an der Fresenius Hochschule. Als Inhaberin von Hilker Consulting begleitet sie Unternehmen mit Strategie-Beratung, Workshops sowie als Aufsichtsrad und Beirat. Zudem leitet sie die Akademie zur Digitalisierung, die Weiterbildungen zur digitalen Transformation mit Innovations- und Change-Management anbietet. Als Autorin schreibt sie Marketing-Fachbücher − das aktuelle Buch heißt: Digital Marketing Leitfaden. Als Speaker spricht sie auf Events über Digitalisierung, Marketing und Innovationen. Ihr qualifiziertes Team sorgt für die Umsetzung der Leistungen, z.B. Content Marketing, Social Media und Marketing Automation.

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