21 June 2018

Studie zur Digitalisierung: Energie Anbieter werden digital



Welche neuen Erkenntnisse zeigen Studien zur Digitalisierung in der Energie Branche? Die aktuelle Studie zur Digitalisierung der Energiebranche von PWC (Price Waterhouse Coopers) zeigt, dass es in vielen Bereichen noch Handlungsbedarf gibt, dem nicht jedes Unternehmen gewachsen ist. Lesen Sie mehr dazu, welche Maßnahmen die Unternehmen treffen müssen.

Die Herausforderungen der Digitalisierung

Die Mehrheit der befragten Energieversorgungsunternehmen (EVU) sieht in Zukunft vor allem drei Herausforderungen auf die Branche zukommen, die bereits jetzt schon zu spüren sind:

  • gesteigerte Kundenanforderungen,
  • Digitalisierungsstrategien und
  • Datenverarbeitung.

Faktoren der Digitalisierung in der Energiebranche

Quelle: PwC Studie Digitalisierung in der Energiebranche

Die Kunden-Erwartungen in Bezug auf Service und Preise üben Druck aus auf Start-ups und Großunternehmen. Diese Unternehmen haben unter Umständen bereits einen verbesserten Kundenservice und mehr Erfahrung auf dem Gebiet der digitalen Kontaktmöglichkeiten. Auf diese Konkurrenz muss sich die Energiebranche rechtzeitig einstellen.

Digitalisierungsmaßnahmen in der Energiebranche

Quelle: PwC

Wie in vielen anderen Branchen wird auch hier die Digitalisierung selbst bisher weder flächendeckend noch zielführend eingesetzt. Nur jedes sechste EVU verfügt derzeit über eine sinnvolle Digitalisierungsstrategie. Rund die Hälfte der Unternehmen trägt nur punktuell etwas zur Fortschreitung der Digitalisierung bei. Als Resultat geht zirka die Hälfte der Befragten davon aus, dass die Digitalisierung die Energiebranche ausdünnen wird, weil nicht jedes Unternehmen dem Druck gewachsen ist. 32 Prozent sind der Meinung, dass ein Viertel der Unternehmen verschwinden wird.

Die gesteigerte Bedeutung von Kundendaten ist den meisten Unternehmen bewusst – 60 Prozent der Befragten gaben an, dass Datenverarbeitung in Zukunft ein Teil des Geschäftsmodells sein wird. Bei der digitalen Agenda der Unternehmen zeichnet sich ein deutlicher Fokus sowohl auf Digitalisierungsschwerpunkte als auch auf Kundenbedürfnisse ab.

Digitalisierung entlang der Wertschöpfungskette

Quelle: PwC

Best Practice Digitalisierungsansätze

Das Unternehmen Next Kraftwerke ist ein gutes Beispiel für die Vernetzung der dezentralen Energiewirtschaft. Das ist insbesondere für kleinere Energieerzeuger interessant, die dadurch eine Leistung von 5 Megawatt erreichen, welche wiederum für den Zugang zum Regelenergiemarkt nötig ist. Next verwaltet dazu einen Pool, in dem alle Anlagen gebündelt sind und auf diese Weise wie ein großes Kraftwerk gesteuert werden können. Die Gesamtleistung kann durch Ansteuerung der einzelnen Anlagen optimiert werden.

Auf dem Gebiet der Echtzeitanalysen ist das US-Unternehmen Space-Time Insight erfolgreich. Es sammelt für die Analysen sowohl die Unternehmensdaten als auch die äußerer Einflüsse wie Wind und Temperatur. Darüber hinaus werden die Daten benutzerfreundlich aufbereitet, sodass die EVUs schnell auf die Auswertung reagieren können.

Ein Beispiel für das Eindringen branchenfremder Großunternehmen ist Tesla Motors. Gemeinsam mit mehreren Partnern will Tesla intelligente Lithium-Ionen-Batterien herstellen und baut dafür eine eigene „Gigafactory“. Eignen sollen sich die Batterien nicht nur für Unternehmen, sondern auch Privathaushalte. Durch Kombinieren der Batterien kann die Kapazität um ein Vielfaches gesteigert werden. EVUs könnten sie nutzen, um Netzschwankungen auszugleichen.

Tipps zur Digitalisierung in der Energiebranche

Basierend auf den Ergebnissen der Studie haben die Autoren folgende Handlungsempfehlungen herausgegeben:

  1. Strategie: Um eine zielführende Digitalisierungsstrategie zu erreichen, sollten Unternehmen sich jedes einzelne Glied ihrer Wertschöpfungskette ansehen und konkret überlegen, welche Digitalisierungsmaßnahmen hierfür zu treffen sind. Basierend darauf können ein Leitbild sowie ein zeitlicher Rahmen abgeleitet werden.
  2. Kundenfokus: Die Angebote müssen auf den Kunden zugeschnitten sein und individualisiert werden. Auch Gruppen, die nicht internet- und technikaffin sind, müssen gewonnen und über die neuen Möglichkeiten informiert werden.
  3. Prozessdigitalisierung: Prozesse und Kundenschnittstellen müssen digitalisiert werden, um eine schnellere Verarbeitung aller Vorgänge und Daten zu gewährleisten. Damit steigt auch die Kundenfreundlichkeit des Unternehmens.
  4. Kultur: Starre Geschäftsprozesse müssen aufgelöst, lineare Abläufe flexibler gestaltet werden und auch die Vernetzung verschiedener Geschäftsbereiche muss besser gelingen.
  5. Weitsicht: Die Digitalisierung wirft weiterhin die Frage auf, was unternehmensintern hergestellt, was zugekauft bzw. was in Kooperation mit anderen Unternehmen und Freelancern erreicht wird. Kooperationen beispielsweise mit Start-ups und Hochschulen erhöhen auch die Flexibilität der Unternehmen.
  6. Big Data: Die richtige Auswertung der Kundendaten kann den Unternehmen viel Aufschluss über zukünftige Bedürfnisse und Abwanderungen geben. Dennoch wird dieses Tool derzeit zu wenig angewendet. Die Ergebnisse der Datenanalysen können dazu genutzt werden, um die Kunden rechtzeitig mit neuen Angeboten anzusprechen und dazu verschiedene Wege zu nutzen.
  7. Innovationen: Zum Ausbau digitaler Fähigkeiten sollten einzelne Pilotprojekte angestoßen werden, um sowohl die Wirkung auf dem Markt zu testen als auch die Akzeptanz gegenüber der Digitalisierung bei den Mitarbeitern zu sichern. Zu großflächige Digitalisierungsversuche könnten die Mitarbeiter überfordern und sind am Markt im Falle des Scheiterns nur schwer zu stoppen.
  8. Kompetenzen: Digitalisierung ist ein schrittweiser Prozess, der nicht abrupt umgesetzt werden kann. Digitale Kompetenzen können entsprechend nur nach und nach von den Mitarbeitern erwartet werden – bei der Einstellung neuen Personals ist allerdings verstärkt auf entsprechende Skills zu achten. Größere Unternehmen können auch einen Chief Digital Officer benennen, der die Digitalisierung im Unternehmen vorantreibt und die Motivation der Mitarbeiter diesbezüglich erhöht.

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Tags: Digitalisierung, Energiebranche

Über Prof. Dr. Claudia Hilker

Prof. Dr. Claudia Hilker

Prof. Dr. Claudia Hilker lehrt Marketing an der Fresenius Hochschule. Als Unternehmensberaterin, Beirat und Aufsichtsrat begleitet sie Unternehmen im digitalen Wandel. Ihr qualifiziertes Team sorgt für die fachgerechte Umsetzung der Maßnahmen. Als Bestseller-Autorin schreibt sie Marketing-Fachbücher. Als Speaker spricht sie auf internationalen Events über die digitale Business Transformation.

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