26 August 2016

Digitalisierung am Beispiel Knip in der Versicherungsbranche



In der digitalen Transformation dreht sich alles um den Kunden, digitale Vernetzung und Beziehungsmanagement. Auch für Finanzdienstleister wie Banken, Versicherungen, Vermittler ist das relevant, wobei noch viele selig im Dornröschenschlaf schlummern. Versicherungen verschlafen den digitalen Wandel, wobei es darum geht, die Aufmerksamkeit des Kunden zu gewinnen und ihn durch innovativen Service zu binden, um ihn nicht an den Mitbewerber zu verlieren, der nur einen Mausklick entfernt auf einen günstigen Moment der Kunden-Unzufriedenheit lauert, den Kunden durch digitalen Service lockt, ihn damit abwirbt und das Geschäft gewinnt. Den Schaden durch Kunden-Verlust hat der Versicherer.

Digitalisierung in der Versicherungsbranche

Das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Digitalisierung schreitet voran. Immer mehr Startups aus dem Technologie-Bereich drängen auf den Markt und verschärfen den Kampf um den Kunden: Sie wollen Marktanteile, Wachstum und Gewinn mit technologischen Wettbewerbsvorteilen erzielen. Dazu gehört z. B. auch das Startup Knip AG, das die neuen Kunden-Erwartungen erkannt hat und den neuen Bedarf mit innovativen Service-Leistungen löst. Zwar ist der Marktanteil noch gering, es geht vielmehr um Trends, Entwicklungen und strategische Entscheidungen für die Zukunft in der Versicherungsbranche.

Das mischt den Markt neu auf: Einige Finanzdienstleister erwachen langsam, aber heftig aus dem Dornröschenschlaf. Es wird Zeit, dass sie die Digitalisierung nicht nur in Arbeitskreisen, Konferenzen, Fachbeiträgen erhaben diskutieren, sondern den schlauen Worten auch konkrete Taten folgen lassen. Denn daran scheitert die Digitalisierung in der Versicherungsbranche: Es mangelt an Mut, Risikobereitschaft und Engagement in der digitalen Transformation.

Was bietet Knip?

Das Startup Knip bietet eine App, die als mobiler Versicherungsmanager für den Nutzer alle seine verschiedenen Versicherungspolicen bündelt. Im Überblick sieht man alle Versicherungen: bei welchem Anbieter sie abgeschlossen wurden, die Höhe der Beiträge sowie wann die nächsten Beiträge fällig sind. Außerdem können die Nutzer via Knip ihre Tarife ändern, kündigen und einen Versicherungsschaden melden. Knip agiert als Versicherungsmakler und vermittelt  Versicherungen wie Hausrat, Haftpflicht, Auto, Rechtsschutz, Reiserücktritt, Kranken-, Lebens-, Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung.Quelle: knVersicherungs-App Knipip.de

Wie funktioniert Knip?

Knip gibt es für mobile Endgeräte mit Apple oder Android Betriebssystem. Nach der Installation sucht der Nutzer die Versicherungen aus einer Liste, bei denen er Policen abgeschlossen hat. Dann braucht die App noch persönliche Daten, wie Name, Adresse und Geburtsdatum, damit der Nutzer einen Registrierungscode per SMS erhalten kann. Nachdem der Nutzer sich mit dem Code registriert hat, wird er zu einer digitalen Unterschrift aufgefordert. Damit wird der App das Maklermandat erteilt. Das heißt: Knip tritt ab sofort für alle registrierten Versicherungen als Makler auf und kassiert die Courtagen (Bestandsprovision). Wichtig: Wenn Anwender dies nicht wollen, können Sie direkt in der App von dem Maklermandat zurücktreten. Das hat aber wohlgemerkt zur Folge, dass Knip die Betreuung der Versicherungen nicht übernimmt. Letztlich ist der Nutzen die App also nur mit einem Maklermandat möglich.

Knip im Kontext der Digitalisierung

Grundsätzlich haben Startups wie Knip die neuen Kunden-Erwartungen verstanden. In der digitalen Transformation erwarten Kunden, dass sie einen barrierefreien Zugang zu ihren Verträgen, Tarifen und Produkten schnell und einfach mit Zusatz-Service erhalten. Denn die Zeiten dicker Aktenordner mit Versicherungsunterlagen sind längst vorbei. Mobile Devices, Clouds und Wearables erobern den Markt. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob virtuelle Makler eine fundierte Beratung mit Bedarfs- und Risiko-Einschätzung erfüllen können. Das zieht einige Fragen nach sich:

  • Wollen solche Startups wie Knip nur Vertragsbestände sammeln, um Provision für die Bestandspflege zu kassieren?
  • Wie nachhaltig wird diese Organisation und die Kunden-Pflege sein?
  • Was ist mit Datenschutz und Schnittstellen zu anderen Mobile Apps?
  • Erfolgt die Kommunikation zur Präsentation von Angeboten und Werbung via SMS, WhatsApp und Mail?
  • Welche Funktionen schätzt der Kunden am meisten im Bereich virtueller Versicherungsorder?
  • Versteht der Kunde wirklich, das er ein Maklermandat erteilt?

Versicherungen brauchen Vertrauen als Geschäftsgrundlage

Die Nutzer sollten sich also im Klaren sein, dass sie mit der vollen Nutzung der Knip App eine Makler-Vollmacht erteilen. Somit wird das bestehende Maklermandat gekündigt und Verträge werden neu abgeschlossen. Vielen Nutzern ist das nicht klar und wird kritisch im Netz diskutiert. Außerdem erfordert die Versicherungsberatung aufgrund der vertraulichen Daten ein solides  Vertrauen zum Versicherungsanbieter. Das ist ein Problem in der virtuellen Beratung, denn bei Apps mangelt es an der persönlichen Beziehungsebene. Existentielle Problemlösungen und heikle Fragen zu privaten Versicherungen brauchen ein vertrauensvolles Miteinander zwischen Berater und Kunde. Telefon, Mail und Social Media können dabei ergänzende Maßnahmen sein, aber nur die individuelle persönliche Begegnung macht den Abschluss wichtiger Verträge möglich. Zudem ist die Angst vieler Kunden um Datendiebstahl heute größer als jemals zuvor.

Fazit: Versicherungs-Apps wie Knip haben ihre Vorteile, besonders im Bereich der digitalen Nutzung, aber dennoch gibt es Nachteile und Fragen. Bei komplexen Versicherungen, wie z.B. der privaten Krankenversicherung, kann der virtuelle Versicherungsmakler durchaus hilfreich sein, den besten Tarif zu finden und Überblick zu gewinnen. Bei einfachen Versicherungen kann es sicherer sein, die Tarife selbst zu vergleichen. Ob solche Apps auch die fachliche Beratung virtuell ausreichend vollziehen können, muss jeder Kunde selbst entscheiden. Dennoch zeigt die rasche erfolgreiche Entwicklung von Knip, wie leicht angreifbar der Versicherungsmarkt mit digitalen Nutzwerten ist. Allein das dürfte den Markt der Versicherungsbranche, der sich immer für unerschütterlich gehalten hat, kräftig zum Aufwachen animieren.

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Tags: Digitalisierung, Versicherungen, App

Über Dr. Claudia Hilker

Dr. Claudia Hilker

Dr. Claudia Hilker ist Marketing-Expertin und berät mit ihrer Unternehmensberatung Hilker Consulting ihre Kunden in der digitalen Content Marketing Kommunikation. Zu den Leistungen zählen: Strategie-Beratung, Umsetzung und Begleitung − als Beirat, Interimsmanager, Projektleiter, Agentur. Dr. Claudia Hilker gibt Seminare, Workshops und hält Vorträge. Als Autorin hat sie neun Marketing-Bücher sowie eine nebenberufliche Dissertation über Social-Media-Marketing geschrieben. Bei Interesse an einer Zusammenarbeit schreiben Sie mir eine E-Mail: [email protected]. Oder rufen Sie mich an: +49(0)177-6057849.

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