22 July 2014

Digitaler Reifegrad von Versicherungen



Wie ist der digitale Reifegrad in der Versicherungswirtschaft? Die Studie „Digital Readiness Index“ (DRI) hat untersucht, wie Unternehmen die Herausforderungen meistern. Sie misst anhand 150 Kriterien den „digitalen Reifegrad“ und bewertet wie erfolgreich Branchen und Unternehmen den digitalen Transformationsprozess meistern, bzw. ob sie den Wandel überhaupt überleben. Wie schneidet die Versicherungswirtschaft im Branchenvergleich ab?

Digitaler Reifegrad deutscher Unternehmen im Branchen-Vergleich

Laut DRI-Studie sind die Branchen Auto und Handel die digitalen Vorreiter. Deutsche Versicherungen hinken im Branchenvergleich weit hinterher. Die Versicherungsbranche wird neben Gesundheit und Industrie als unterdurchschnittlich bewertet. Demzufolge zählen 25 % der Versicherungen zum unteren Drittel in der Untersuchung.

SONY DSCDigitalstrategien der Versicherungen

Die Allianz ist der Spitzenreiter in der Versicherungswirtschaft. Sie hat längst Lösungen geschaffen, um im Big-Data-Zeitalter relevante Daten zu sammeln, zu analysieren und für eigene Unternehmensziele gewinnbringend auszuwerten. Für Bernd Heinemann, Marktmanagement-Vorstand der Allianz Deutschland, sind digitale Spuren von Kunden wirtschaftlich relevant: Wie ist die Informationssuche der Kunden entlang der digitalen Wertschöpfungskette – vom Erstkontakt über den Abschluss bis hin zur Betreuung? Die Allianz setzt dieses Wissen gewinnbringend in eigene Strategien ein, um Unternehmensziele zu erreichen. Doch nicht alle Versicherungen haben die neuen Möglichkeiten im digitalen Business erkannt.

Nachzügler ist die HDI Versicherung

Die HDI Versicherung ist laut DRI-Studie Nachzügler in Deutschland. Beschwerden an der Pinwand der Facebook-Fanpage werden nicht oder erst spät beantwortet. Doch Kunden, deren Anfragen wochenlang nicht beantwortet werden, wechseln einfach und schnell per Mausklick zum Wettbewerber. Zwar gibt Beitragsrechner auf der Website mit dem Angebot, eine Police online abzuschließen, aber die Website ist nicht digital vernetzt mit Social Media.

Image, Reputation und Wertschöpfung in der digitalen Welt effizient nutzen

Wie man Image, Reputation und Wertschöpfung in der digitalen Welt effizient nutzt zeigt „Oscar“, ein New Yorker Start-up für Krankenversicherungen. Laut US-Magazins „Fast Company“ hat es hohe Erfolgsaussichten in der amerikanischen Wirtschaft. Jedenfalls hat Oscar schon 75 Mio. Dollar Startkapital eingesammelt. Auf einer personalisierten Website können die Kunden Arztvisiten und Medikamentenkäufe einsehen. Eine Suchmaschine gibt Diagnosehinweise bei körperlichen Beschwerden mit Online-Visiten und Empfehlungen für lokale Arztpraxen und Kliniken im Umfeld sowie Kostenschätzungen für Behandlungen. Das digitale Business wird auch die Zukunft im Gesundheitswesen beeinflussen und macht auch nicht Halt vor KV-Versicherungen. Im internationalen Vergleich sind die Spielräume in Deutschland enger als beispielsweise in den USA. Die Selbstverpflichtung der deutschen Versicherungen im Hinblick auf Datenschutz ist neben technischen Aspekten der größte Nachteil im digitalen Business im Vergleich mit amerikanischen Big Playern.

Der Großteil der europäischen Versicherer hat noch keine digitale Strategie

Teilstrategien für Vertrieb oder Kundeninteraktion decken nicht die gesamte Wertschöpfungskette ab: von der Produkt-Entwicklung über Marketing und Kommunikation bis hin zum Service. Top-Priorität der Digitalisierungsstrategie sollte sein, eine 360-Grad-Sicht auf ihre Kunden zu erhalten –über alle Kanäle hinweg, also mit Social Media Integration. Weitere digitale Aufgaben liegen in der effizienten Verschlankung der internen Prozesse sowie im Aufbau eines digital kompetenten Kundenservice. Versicherungen sollten Social Media nicht als nur Risiken bewerten, sondern auch die Chancen begreifen und die starre Haltung zur Veränderungsresistenz aufgeben. Für Marketing, Vertrieb und Kundenservices bieten Social Media und mobiler Services viele Chancen zur Wachstum. Doch die Versicherungsunternehmen sollten mit Hinblick auf tragfähige Strategien für die Zukunft in Strategien, Konzepte, Fähigkeiten und Ressourcen investieren.

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Tags: Digital, finance 2.0, Finanzdienstleister

Über Prof. Dr. Claudia Hilker

Prof. Dr. Claudia Hilker

Prof. Dr. Claudia Hilker ist Unternehmensberaterin für Digital Marketing Kommunikation und berät Unternehmen in der Strategie-Entwicklung mit Full-Service. Qualifizierte Mitarbeiter sorgen für die fachgerechte Umsetzung der Maßnahmen. Claudia Hilker gibt Management-Workshops, schult Führungskräfte in Digital Leadership und ist Keynote-Speaker. Sie schreibt als Bestseller-Autorin Marketing-Fachbücher und bloggt über Marketing-Kommunikation, Social-Media-Marketing. Sie hat ihre nebenberufliche Dissertation über Social Media geschrieben und lehrt als Professorin Marketing an der AMD Akademie. Lassen Sie uns vernetzen: Twitter, Google+, Facebook, Xing, LinkedIn, Newsletter.

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