22 January 2017

Digital Leadership: Führung im Zeitalter der Digitalisierung



Das Buch „Digital Leadership: Wie Top-Manager in Deutschland den Wandel gestalten“ enthält 31 Interviews mit Führungskräften im Zeitalter der Digitalisierung. Die Autoren Dr. Markus Klimmer und Jürgen Selonke erfassen CEO Digitalisierungsgeschichten in knackigen Stories. Doch sind es einfach nur 31 individuelle Geschichten oder lassen die Interviews hilfreiche Erkenntnisse zu? Gibt es erkennbare Muster, typische Ansätze oder gar eine Typologie?

Digital Leadership Typologie

Das Buch unternimmt den Versuch einer Typologisierung, einer Einordnung der interviewten CEOs in sechs Typen: „Frühe ‚Natives‘“ über „Analytiker und Verstehenwoller“ bis hin zu „Schnellen Pragmatikern“. Moderatoren des Prozesses („Leading from behind“), visionäre Führungskräfte („Leading from the front“) sowie IT- und Technologiefachleute runden das Bild ab – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.Digital Leadership.jpg

Digital Leadership: Herausforderungen für CEOs

Im Buch werden Muster und Gemeinsamkeiten der vielfältigen CEO-Persönlichkeiten herausgearbeitet. Zum Abschluss werden Veränderungen beschrieben, die sich im Führungsverhalten durch die Digitalisierung ergeben. Welche Typen von CEOs werden wichtiger, welche Profile gefragter? Welche Chancen ergeben sich daraus für CEOs als Generalisten und Quereinsteiger?

Digital Leadership Typen

Sechs Typen dominieren unter den Interviewpartnern. Die Grenzen sind natürlich fließend. Einige der Interviewpartner würden sich gleichzeitig in mehreren Typen wiedererkennen oder auch in keinem.

  1. Frühe „Natives“– charakterisiert durch hohe Technologieaffinität, IT-Verständnis, „Super User“ von allen technologischen Neuerungen, immer selbst vorne dran sein.
  2. „Analytiker und Verstehenwoller“– charakterisiert durch den „Ingenieurs-Ansatz“, erst alles analytisch sauber durchdringen und die Details zu verstehen, sodann dem Ganzen eine Struktur zu verpassen und auf Basis möglichst vollständiger Information zu entscheiden.
  3. „Leading from behind“: Moderatoren, die das Know-how im Unternehmen oder in der Organisation ohne Rücksicht auf Hierarchien zusammenführen und ihre Rolle eher als „Challenger“ und in der Synthese sehen.
  4. „Leading from the front“:charakterisiert durch visionäre Führungskraft mit vorbildhaftem Vorangehen, jeden Tag draußen bei Kunden und Belegschaft, oft gepaart mit öffentlichem Profil.
  5. Schnelle Pragmatiker: „Slicing the elephant“ – charakterisiert durch „undeutsche“ Tugenden wie Experimentieren oder Pilotprojekte, aber auch schnelle Entscheidungen bei Erfolg oder Misserfolg. Wenn Digitalisierung ein Elefant ist, dann kann man ihn bisher nur in Umrissen erkennen. Und anstatt zu warten, bis der Elefant ganz sichtbar ist, warum ihn nicht scheibchenweise realisieren und später ganz zusammensetzen?
  6. IT- und Technologiefachleute:Gemeint sind diejenigen, die über eine Karriere als Fachkraft in den Technologie- und IT-Bereichen zur Führungskraft aufstiegen, charakterisiert durch ein sicheres Gespür, um zwischen Hype und Substanz zu unterscheiden. Allerdings ist diese Gruppe mit nur zwei CEOs eindeutig die kleinste.

Veränderungsmuster im Führungsverhalten

Sind diese Typen nun „Digital Leader“? Oder sind das nicht doch allgemeine Führungstypen, die im Kern nichts mit Digitalisierung zu tun haben? Nicht ganz, meinen die Autoren, denn sie sehen Veränderungen in sechs Mustern:

  1. Die schnellen Pragmatiker treten als neuer Typ hervor: diesen Mut zu Erfolg, Misserfolg und Experiment gab es vor der Digitalisierung kaum, bzw. war nicht so gefragt wie jetzt.
  2. Die Enabler sind als Typ in der Digitalisierung erfolgreicher, es sind neugierige Mentoren mit gering ausgeprägtem Hierarchie-Denken, die „Zusammenbringer“ (oder „leading from behind“). Viele Führungskräfte kokettieren damit, doch alles nur von ihren Enkeln zu lernen. Gerade ihnen gelingt es aber oft, mit Neugierde und Offenheit einen authentischen und effektiven Führungsstil in der Digitalisierung einzuschlagen. Ihre Stärken sind in der Digitalisierung mit ihrer oft starken Interdisziplinarität und der Integration „neuer“ und „alter“ Kulturen besonders gefragt.
  3. Vision als Impuls für Wandel für Führungskräften: „Visionary Leaders“ entdecken eine neue Offenheit an sich, sie agieren jenseits gewachsener Hierarchien und suchen Nähe zu den „Natives“. Sie legen die Krawatte ab. Vertreter der Enabler-Kategorie nähern sich in interdisziplinären Teams dem Digitalthema, entdecken es für sich, gewinnen neue Sichtweisen und entwickeln sich zu visionären Führungskräften!
  4. Neue Chancen für Fachkräfte als Führungskräfte: Digitalisierung kann Fachkräften zum Durchbruch verhelfen, denen der Weg als Führungskraft nach ganz oben bislang oft verschlossen blieb. Es liegt auf der Hand, dass dies vor allem IT- und Technologie-Manager betrifft. Ihre Fachlichkeit ist jetzt gefragt, wenn sie bereit sind, aus den fachlichen Silos herauszutreten. Das ist ihre Chance, dieses Führungskräftepotenzial zu nutzen und zu entwickeln. Die IT-Manager sind keine reine „Nerds“, denen man eine breitere Führungskompetenz nicht zutraut. Die Digitalisierung ermöglicht nun breiter aufgestellte Führungskarrieren. „Niemanden zurücklassen“, das beschreiben die Autoren eher als politische Forderung aus der Bildungspolitik. Im Kontext der Digitalisierung bekommt es eine andere Dimension: Erfolgreiche Organisationen dürfen kein Führungspotenzial unentwickelt lassen. Dies betrifft neben den IT- und Technologie-Managern auch die Personal- und HR-Manager. Gerade sie sind oft erprobte „Zusammenbringer“, die mangels direkten Durchgriffs in die Unternehmensbereiche und Divisionen das Führen über Dritte gelernt haben. In der Digitalisierung wird aus der Not eine Tugend!
  5. Neue Chancen für Generalisten: Als Allzweckwaffe füllen sie genau das Vakuum, das die Führungskräfte-Entwicklung in vielen Organisationen mitverschuldet: blitzschnell neue Situationen und Herausforderungen verstehen, in Teams an Lösungsoptionen arbeiten, sich das Thema analytisch aneignen, und dann anpacken und führen. Schnelle Veränderungen, die gewohnte Denk- und Handlungsmuster sprengen – dafür braucht es Generalisten.
  6. Neue Chancen für Seiteneinsteiger: Seiteneinsteiger im Top-Management ist bisher die Domäne der Top-Managementberater, z.B. über „Digitale Plattformen“ oder „Digital Units“ – oft aber noch jenseits des Mainstreams. Die „Infiltration“ des Mainstreams sehen die Autoren insbesondere bei den Interviewpartnern aus dem Beratungsbereich. Viele der Interviewpartner sehen die große Herausforderung und Chance darin, daraus mehr zu machen als digitale Satelliten in Berlin oder im Silicon Valley mit begrenztem Kontakt zur „Bodenstation“. Da entsteht gerade etwas Neues in Konzernen auf dem Radarschirm der Digitalisierung.

Fazit: Das Buch zeigt, dass die Arten von Führung in digitalen Zeiten unübersichtlich und differenzierter werden. Inhaltliche Herausforderungen werden damit vielfältiger und anspruchsvoller. Neben der Fachlichkeit der Branchen und der individuellen Geschäftsmodell-Anpassungen sind vermehrt auch IT- und Personal-Themen stärker auf die Agenda der CEOs gerückt. Viele Unternehmen nutzen einen Workshop für Digital Leadership, um diese Herausforderungen zu meistern.

Download Whitepaper: Digital Marketing

Tags: Digitalisierung, Digital Leadership

Über Dr. Claudia Hilker

Dr. Claudia Hilker

Dr. Claudia Hilker ist Expertin für Digital Marketing Kommunikation. Mit dem Team von Hilker Consulting berät sie Unternehmen in der Digitalisierung mit Strategie-Entwicklung, Umsetzung der Maßnahmen und Projekt-Management. Sie unterstützt Top-Manager als Aufsichtsrat und Beirat, um mit digitalen Wertschöpfungsketten mehr Wachstum zu erzielen. Als Bestseller-Autorin hat sie Marketing-Bücher sowie eine Dissertation über Social-Media-Marketing geschrieben. Dr. Claudia Hilker gibt Workshops wie: Content Marketing, Inbound Marketing und Social Media. Sie ist Keynote-Speaker auf Kongressen und gibt Vorlesungen an Hochschulen. E-Mail: [email protected]. Mobil: +49(0)177-6057849.

ProvenExpert

Hilker Consulting has 4.5 of 5 stars | 78 Bewertungen auf ProvenExpert.com

Eigene Bücher

Übersetzung

Letzte Beiträge

Facebook

Twitter